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Südfrankreich 2019

Mit dem Motorrad nach Südfrankreich

„Die muss mal bewegt werden, zu viel Standzeit ist nicht gut für das gute Stück“. Das gute Stück ist meine 34 Jahre alte Honda Gold Wing 1100, das Urteil darüber sprach der Mechaniker meines Vertrauens nach der Winterpause. In letzter Zeit lief sie nicht mehr so gut, entweder nur auf drei Töpfen, oder sie hielt im Leerlauf die Drehzahl nicht. Also nahm ich mir den Rat des  Mechanikers meines Vertrauens zu Herzen und plante eine Tour, die etwas was länger dauert als 2 oder 3 Stunden. In der Woche, in der meine Frau mit ihren Mädels ihre jedes Jahr wiederkehrende Shoppingtour zum Gardasee machte, plante ich für mich und meine Wing eine ordentliche Bewegungstour ein. 

Südfrankreich sollte mein Ziel sein, die Provence runter an die Cote d Azur. Am besten nur Landstraße, keine Autobahn, 5 bis 6 Tage Zeit gab ich mir dafür. Circa zwei Wochen vor der Abfahrt begann ich mit der Planung. Da meine Wing ein so genanntes Naked Bike ist, also ohne Verkleidung, Koffer und sonstigem Klimbim auskommt  und der Tankrucksack für 6 Tage definitiv zu klein ist, besorgte ich mir bei Luis Motorradzubehör  noch ein Speedbag das man wie einen Rucksack auf den Rücken schnallen kann und obendrein Wasserdicht ist. Im Zeitalter des Internets und Smartphone wollte ich natürlich die neuen Medien auch beim Motorrad fahren nutzen und suchte nach brauchbaren App´s,  Calimoto und Kurviger habe ich auf mein Handy geladen. Meine Route plante ich von München über Lindau und  Zürich zur französischen Schweiz, am Murten See sollte meine erste Übernachtung sein. Am nächsten Tag weiter über Genf, Grenoble bis Gap in der Provence. Dritter Tag, Richtung Grasse und Cannes runter an die Cote d Azur, Frejus/San Raphael habe ich als mein Ziel ausgewählt. Vierter Tag, Pause, oder eventuell ein Tagesausflug nach San Tropez. Fünfter Tag, an der Küste entlang über Cannes, Nizza und Monaco bis zur italienischen Grenze und dann wieder ab Richtung Norden über die Berge bis Asti. Am sechsten Tag geht`s von Asti  in dem schönen Piemont  zum Lago Maggiore. Dann über den San Bernardino Richtung Lindau und  in einem Stück wieder nach Hause.

Eine Woche bevor es losgeht, mache ich noch eine Tour durchs Allgäu, auf der Autobahn raus bis zur Ausfahrt Holzkirchen, dann auf der Landstraße erst Richtung Bad Tölz, dann  Murnau, Peißenberg, am Schloss Neuschwanstein vorbei, immer an der Alpenkette entlang bis nach Sonthofen. Über Kempten und Memmingen wieder zurück nach München.  Die 400 km habe ich gut überstanden, meine Sitzbank ist bequem, keine Rückenschmerzen oder Ähnliches, alles bestens. Im Allgäu teste ich die Calimoto App, funktioniert sehr gut, nur mit den einfachen Kopfhörern höre ich bei höheren Geschwindigkeiten überhaupt nichts mehr. Fazit, neue Kopfhörer kaufen, bei Luis finde ich preisgünstige Kopfhörer die man mit Klettverschluss an der richtige Stelle im Helm befestigen kann. Damit ist jedes Wort klar hörbar, super ich freue mich immer mehr auf mein Abenteuer.

Soll ich meine Übernachtungen schon vorher planen, oder unterwegs spontan eine Unterkunft suchen, „ ich würde die Übernachtungen schon vorher planen“ rät mir meine Frau und wie fast immer halte ich mich an Ihren Rat. Ich finde auch, wenn man die Unterkunft schon vorher plant, hat man ein Ziel und zuhause am PC geht es auch besser als auf dem Smartphone. Ich buche mit Booking.com und lade mir sicherheitshalber auch die App aufs Smartphone, was sich auf der Reise als sehr hilfreich erweisen wird. Mit der Booking App kann man auch spontan noch umbuchen, wenn man Unterkünfte reserviert die kostenlose Stornierung anbieten. Außerdem, hat man alle Buchungen im Blick und kann Notfalls das Hotel oder die Pension auf einfachste Weise kontaktieren.

Da für die ganze Reise das Smartphone sehr wichtig ist, baue ich noch einen Zigarettenanzünder mit zwei USB-Lademöglichkeiten an die Maschine. Gibt’s sehr günstig im Internet, man muss nur auf die Lieferzeiten achten, denn das Zeug kommt meistens aus China, aber es  ist leicht zu montieren. Ich habe es an den Lenker geschraubt und das mitgelieferte Kabel direkt an die Batterie angeschlossen. Was allerdings den Nachteil hat, dass das Teil auch bei ausgeschalteter Zündung aktiv ist, man muss also aufpassen, dass man nicht die Batterie zu sehr beansprucht. Nachdem ich der Wing noch vier neue Zündkerzen spendiert habe, kann es also bald losgehen.

2.5.2019

morgens um 7 Uhr mache ich mich fertig für die Abfahrt, es scheint die Sonne, das Thermometer an unserer Hauswand zeigt knackige 3 Grad an. Ich habe beschlossen nun doch in Deutschland und der Schweiz auf der Autobahn zu fahren einfach um Zeit zu sparen, vorher habe ich noch beim ADAC für 36.- Euro die Jahresplakette für die Schweiz geholt, ich habe sie vorne aufs Schutzblech geklebt. Also fuhr ich erstmal in München auf die Lindauer Autobahn bereits nach ca. 50 Kilometern spürte ich meine Fingerkuppen nicht mehr, es war saukalt. Nach ca. 2 Stunden fuhr ich vor Lindau von der Autobahn runter und am Bodensee entlang Richtung Bregenz und in die Schweiz. In Rorschach legte ich erneut eine Pause ein und ging zur Bank um mir ein paar Schweizer Franken abzuholen. Achtung, in der Schweiz werden sehr viele Geschwindigkeitskontrollen durchgeführt, also gefühlt steht an jeder Ecke ein Blitzer. Auf der Autobahn sind generell nur 120 km/h erlaubt, es fährt auch keiner schneller zumindest kein Schweizer. Meine erste Unterkunft ist das Hotel Cave Bel-Air in Praz am Murtensee in der französischen Schweiz. Bereits am Nachmittag gegen 15:00 Uhr habe ich mein Ziel erreicht, ich hätte durchaus noch 100 Kilometer  fahren können also z.B. bis Lausanne. Aber egal, ich möchte die Reise ja schließlich genießen und nicht abends bewusstlos vom Bock runterfallen. 60 Kilometer  bevor ich ankam, musste ich noch in die Regenkombi schlüpfen, auch hier am Murtensee ist das Wetter nicht besser, es regnet und auf den Bergen die man auf der anderen Seite des Sees  sieht, liegt noch ordentlich Schnee. Das Hotel liegt direkt am See, hat  bestimmt ein sehr gutes Restaurant und eine Terrasse mit Seezugang, beziehungsweise einen eigenen Badesteg. Den konnte ich bei dieser Witterung natürlich nicht nutzen, auch das Restaurant hatte genau an diesem Tag Ruhetag, was mir aber bereits vorher per Mail mitgeteilt wurde.  Die drei Seen,  Neuenburgersee, Bielersee und Murtensee sind umrahmt von Weinbergen und netten kleinen Winzerdörfern, bei schönem warmen Wetter auf jeden Fall eine Reise wert. Als einziger Gast in diesem nicht gerade kleinen Hotel genieße ich Anfang Mai die Ruhe und schlafe nach zwei Bier tief und fest.

3.5.2019

Es hat die ganze Nacht geregnet, wenn ich einen Blick durch das kleine Dachfenster meines kleinen Zimmers im Hotel Cave Bel-Air werfe, sehe ich nasse Straßen und dunkle Wolken die tief am Himmel hängen. Alles klar, das heißt, gleich von Anfang an in die Regenkombi schlüpfen. Zuerst mache ich mich aber auf den Weg und suche den Frühstücksraum, gestern war ja im ganzen Hotel tote Hose und auch weit und breit kein Mensch zu sehen, meinen Schlüssel musste ich mit einem Code den ich per Mail zugeschickt bekam, aus einem kleinen Save selbst raus lassen. Tatsächlich, im Frühstücksraum finde ich eine freundliche Dame und ein kleines scheinbar nur für mich aufgebautes, gutes und reichhaltiges Frühstücksbüffet.

Nachdem ich mich gestärkt habe, in die Regenkombi geschlüpft bin und den Sattel der Wing trocken gerieben habe, geht es weiter Richtung Lausanne am Genfer See. In Genf finde ich den richtigen Weg nach Grenoble nicht und verfranze mich total, ich fahre rechts ran und stelle den Routenplaner von Google Maps ein, über meine neuen Kopfhörer höre ich die Anweisungen sehr gut, nur leitet mich Google auf die Autobahn, was ich ja nicht wollte. Ich lasse mich darauf ein und fahre Richtung Grenoble ein Stück Autobahn um aus dem Durcheinander raus zu kommen. Bei Annecy verlasse ich die Autobahn und genieße die Straßen der französischen Alpen. Es ist zwar immer noch saukalt, auf den Gipfeln der Berge erkennt man zum Teil sehr viel Schnee, am Himmel hängen dunkle Wolken, aber Petrus ist gnädig mit mir, es regnet nicht und die Straßen sind trocken. Nach ca. 400 Kilometer davon ca. 300 auf der Landstraße erreiche ich mein heutiges Tagesziel, die kleine Stadt Gap in der Provence. Wie bereits am Tag vorher, benutze ich wieder Google Maps um den Weg zum Hotel problemlos zu finden. Das Hotel Nestor befindet sich etwas außerhalb, als ich die Maschine auf dem Parkplatz vor dem Hotel abstelle und erstmal meine Beine vertrete, kommt ein jüngerer Mann auf mich zu und erklärt mir mit Händen und Füßen , er hätte auf der anderen Seite des Hotels einen kleinen Unterstand für Motorräder. Ich nutze das Angebot, fahr meine Wing unter das kleine Dach und checke ein. Das Hotel Nestor ist ein kleineres von einem jungen Paar sehr gut geführtes und liebevoll eingerichtetes Haus, in dem ich mich gleich wohlfühle. Das Paar spricht französisch, englisch und ein wenig deutsch, als ich zum Abendessen in das hauseigene Restaurant gehe, wird mir eine mit Kreide per Hand geschriebene große Tafel vor die Nase gehalten auf der das Tagesmenü steht. Der Chef gibt sich alle Mühe mir alles zu erklären. Das drei Gänge Menü kostete 17.- Euro, dazu zwei Bier vom Fass und der Tag ist gerettet.

4.5.2019

Nach einer geruhsamen Nacht und einem guten Frühstück, mache ich mich wieder auf den Weg Richtung Cote d Azur. Bei Gap teilt sich die Strecke Richtung Süden, entweder über die D900B vorbei am Le Sauze du Lac dann runter nach Digne les Bains oder über die D942 über Sisteron. Ich entschließe mich für die Route über Sisteron, sicher ich werde ein paar tolle Pässe verpassen, aber ich muss auch auf meinen Zeitplan achten. Es dauert nur ein paar Kilometer und meine Zweifel darüber ob ich die richtige Route genommen habe sind verflogen. Die D942, die später zur D1085 wird, schlängelt sich erst an dem Fluss Durance entlang und läuft dann neben der A51 als ruhige Landstraße mit wenig Verkehr durch ein Landwirtschaftlich genutztes Gebiet bis Sisteron. Die Sonne scheint und ich genieße die leere Landstraße obwohl ich links und rechts der Straße nur Felder sehe. Ich fahre durch die Provence in Frankreich, die Ruhe, die Luft und das Licht sind genug um es zu genießen. Als ich den Ort Sisteron erreiche, weiß ich sofort, ich muss hier noch einmal herkommen. Der Fluss Durance durchschneidet hier zwei Gebirgszüge und vereinigt sich mit dem Buech. Als erstes fällt mir die alte Brücke auf, die über den Fluss von einer alten Zitadelle herüber zu den Häusern der Ortschaft führt, die am Fuße des steil hochragenden Felsen „Rocher de la Baume“ liegen. Hier muss ich  einmal länger bleiben und Sisteron zum Ausgangspunkt für Tagesfahrten machen. Weiter geht es über die N85 Richtung Digne les Bains. Auch die kleine Gemeinde Digne les Bains, die sich auch Hauptstadt des Lavendels nennt,  wäre sicher einen Abstecher wert, wunderschön liegt der Ort eingebettet in ein Mittelgebirge. Ich zweige kurz vor dem Ort auf die N85 nach rechts ab. Bei Chateauredon wechsle ich auf die D907, die mich runter zum Lac de Sainte Croix führt. Der See wird gespeist von dem  Fluss Verdon, der nach ca. 170 Kilometer im Durance mündet, bevor er aber den See erreicht, hat er Jahrtausende lang  die berühmte Verdon-Schlucht in die Voralpen gegraben, den Grand Canyon Frankreichs. Aus heiterem Himmel und ohne Vorwarnung taucht plötzlich rechts von mir der Lac de Sainte Croix auf, die Sonne wirft mir ein helles Türkis, gemischt mit satten gelb von dem gegenüberliegenden Sandstrand ins Gesicht. Hier wird man förmlich gezwungen anzuhalten um den Ausblick zu genießen. Im Hintergrund am Anfang des Sees erkenne ich eine hohe Brücke, unter der sich jede Menge Kajaks befinden, hier fließt der Verdon in den See. Nach der Brücke, bei der natürlich viele Biker eine kleine Rast einlegen um das Schauspiel aus der Nähe zu betrachten, biege ich links ab auf die D19, um später auf die D71 zu wechseln. Ich fahre die D71 flussaufwärts, sie schlängelt sich durch den Grand Canyon und gibt atemraubende Blicke frei, bis zu 700 Meter ist die Schlucht teilweise tief. Die D71 endet an der D21, hier fahre ich nach links, um auf die D6085 zu kommen, die mich zu meinem heutigen Tagesziel bringt, die Cote d´ Azur. Bevor ich den Ort Castellane erreiche, kommen schwarze Wolken auf, ich schlüpfe vorsichthalber in die Regenkombi. Das war auch eine gute Idee, denn schon nach kurzer Zeit fing es an zu schütten wie aus Eimern. Die Strecke runter nach Cannes war leider kein Vergnügen, es hörte nicht auf zu regnen, auf den kurvigen Straßen lagen Blätter und Blüten von den Bäumen und machten den Belag zur Rutschbahn. Nachdem ich die Parfümstadt Grasse hinter mir gelassen habe, erreiche ich am späten Nachmittag Cannes, genau zur Rush hour und bei leichtem Regen. Auf manchen Verkehrsinseln fallen mir Personen auf, die gelbe Westen an haben, teilweise haben sie einen Grill aufgebaut und es sich gemütlich eingerichtet. Sie gehören zu der sogenannten Gelbwestenbewegung, die auf diese Weise gegen die höhere Besteuerung fossiler Brennstoffe insbesondere Diesel streiken. Es dauerte etwas, bis ich den richtigen Weg nach San Raphael/Frejus gefunden habe. Ich nehme die DN7, die mich durch das Esterel Gebirge führt. Die roten Felsen aus Porphyr habe ich noch gut in Erinnerung, hier war ich bereits vor Jahren schon einmal, weshalb ich dieses Gebirge auch zum Ziel meiner Reise machte. Es scheint jetzt wieder die Sonne und ich genieße die letzten Kilometer dieses Tages.

5.5.2019

Nachdem ich gestern Abend das Hotel Oasis in Frejus erreicht habe, meine Wing auf dem hauseigenen  Parkplatz hinter dem Hotel geparkt habe, eingecheckt und meine Sachen auf das Zimmer gebracht habe, machte ich mich sofort auf den Weg zum Meer. Ich habe mich in diesem Hotel für zwei Tage eingemietet, ich wollte entweder einen Tag Pause oder einen Tagesausflug nach Saint Tropez machen. Als ich nun die lange Promenade und am Ende des langen Hafenbeckens im Hintergrund die Altstadt von Frejus entdeckte, war klar, morgen hat die Wing Pause. Am Morgen nach dem Frühstück ging ich wieder zur Promenade und  traue meinen Augen kaum. Es ist Sonntag und  an der Promenade ist Markt. Über die Promenade erstreckt sich über ca. einen Kilometer ein Markt der mein Herz höher springen lässt. Hier gibt es alles, frisches Obst aus der Provence, die ersten Erdbeeren und Kirschen, aber auch Seifen, Klamotten, Lederwaren und überraschend viele Stände an denen gegrillte Bratwürste und Hähnchen angeboten werden. Ich stelle fest dass sich hier viele Einheimische das Mittagessen einpacken lassen und mit nach Hause nehmen. Seltsamerweise gibt es auch ein paar Stände an denen Paella angeboten wird. So dass ich kurz überlege, ob ich nicht etwas zu weit gefahren bin. Als Souvenir kaufe ich mir ein Shirt und Seife aus einer Manufaktur in Marseille. Ich bringe meine erworbenen Sachen ins Hotel, und mache mich am Nachmittag auf den Weg in die Altstadt. Frejus ist ein an der Cote d´Azur sehr zentral gelegener Ort, man kann hier die Strände genießen die sich östlich und westlich des Hafenbeckens erstrecken. Oder man kann den Ort als Ausgangspunkt für Ausflüge, zum Beispiel nach Cannes, nach Saint Tropez oder zum Wandern im Esterel Gebirge nutzen. Auch eine wunderschöne Altstadt gibt es, mit vielen schönen alten Gebäuden und netten kleinen Gassen. Nur Anfang Mai macht der Ort noch einen etwas verschlafenen Eindruck, zumal ich außerdem wie schon erwähnt am Sonntagnachmittag hier war.

6.5.2019

Für die Rückfahrt nehme ich jetzt die D559 die sich bis Cannes an der Küste entlang schlängelt, eine Traumstraße mit einem traumhaften Panorama. Durch Cannes komme ich diesmal ohne größere Staus, das einzige was wieder nervt, sind die ständigen Straßenschwellen die zur Verkehrsberuhigung beitragen sollen. Auch durch Nizza komme ich gut durch, nach der Stadt führt die Küstenstraße hoch auf einen Berg und gibt eindrucksvolle Blicke auf die Stadt frei. Die Durchfahrt von Monte Carlo ist schwer beeindruckend, um die Stadt mit möglichst vielen Hochhäusern zupflastern zu können, hat man den Verkehr einfach unter die Erde gelegt. Ab und zu bekommt man den Blick frei auf die Betonburgen. Wer hier in diesen Hochhäusern ein Miniappartement besitzt und seinen Hauptwohnsitz hier anmeldet, braucht in Deutschland keine Steuern mehr bezahlen. Wow! Nach der Stadt Menton überquere ich die Grenze nach Italien. In dem Ort Ventimiglia biege ich gleich nach der Brücke links auf die SS20 ab, die entlang des Flusses Roya  hinauf in die Seealpen führt. Bei Fanghetto überquere ich wieder die Grenze und fahre eine gute Stunde noch mal durch Frankreich. Die D6204 bringt mich hoch zum Tunnel du col de Tenda, der die D6204 mit der E74 auf italienischer Seite verbindet. Die Passstraße des Colle di Tenda ist teilweise nur geschottert also besonders Anfang Mai, wenn in höheren Lagen noch Schnee liegt, mit einer normalen Straßenmaschine nicht zu empfehlen. Auf italienischer Seite geht es wieder bergab, über Limone Piemonte und Borgo San Dalmazzo bis Cuneo. Von Cuneo geht es weiter über Fossano bis nach Asti. Die Gegend von Cuneo bis Asti wird nun flacher und somit wesentlich langweiliger, nach Asti schalte ich Google Maps wieder ein,  um meine bei booking.com gebuchte Unterkunft zu finden.“ Da Nonna Carla“ heißt die Unterkunft die ich mir ausgesucht habe, gegen 18 Uhr habe ich sie erreicht und stehe vor einem herrlichen piemontischen Bauernhaus in einem kleinen ruhigen Dorf im unteren Monferrato. Paolo hieß der Chef des Hauses, ein untersetzter gemütlicher Italiener mit einem schwarzen Vollbart. Wieder war ich der einzige Gast dieser wunderschönen Unterkunft. Als ich ankam waren die Tore fest verschlossen, so dass ich erst zweifelte, ob ich an der richtigen Adresse bin, oder noch schlimmer einem Betrüger auf den Leim gegangen bin. Hier war ich wieder einmal auf froh darüber, dass ich mir die Booking.com  runtergeladen habe. Mit der App konnte ich den Vermieter telefonisch erreichen, es stellte sich heraus, dass er mich erst gegen Abend erwartet hatte. Nachdem ich ca. eine halbe Stunde gewartet hatte kam eine Frau öffnete mir das Tor und wies mir mein Zimmer zu. Ich hatte ein fast herrschaftliches riesen großes Zimmer mit einem ebenso großem Badezimmer, in dem Zimmer befanden sich wie im ganzen Haus schwere alte italienische Bauernmöbel, alles sehr geschmackvoll zusammen gestellt. Auch Paolo kam etwas später und wie sich herausstellte war die Frau für das von mir bestellte Essen zuständig. Ich hatte den ganzen Speiseraum für mich alleine, die Köchin kam extra wegen mir hierher bereitete mir ein Fünfgänge Menü und der Chef des Hauses kredenzte mir seine besten selbst gekelterten Weine. Irgendwie kam ich mir vor wie Gott in Italien. Danke Paolo, es war ein wirklich sehr schöner Abend.

7.5.2019

Das Frühstück am nächsten Morgen, war kein kontinentales sondern ein eher  italienisches Frühstück mit Kaffee und Kuchen. Egal, ich schob mir zwei Stück Kuchen hinter die Kiemen, wer weiß wann ich wieder was zu essen bekomme und ein paar Kalorien können nicht schaden. Ich sattle mein „very comfortable Bike“ wie Paolo es nannte und machte mich auf den Weg. Wie fast die ganze Reise fuhr ich mit Karte, Calimoto hat sich nicht bewährt, ich hätte für die Ausländischen Karten bezahlen müssen, das wollte ich nicht, die App von Kurviger habe ich erst gar nicht ausprobiert. Mit normaler Karte im Tankrucksack und wenn es nötig ist mit Google Maps kommt man meines Erachtens am besten voran. So finde ich auch locker den Weg über die Landstraße zum Lago Maggiore, von einem Ort zum anderen bis ich in Arona auf der westlichen Seite des Lago Maggiore bin. Als ich auf der Reise dorthin die Po-Ebene durchfahre wundere ich mich über die vielen überschwemmten Felder, hat es hier so stark geregnet? Weit gefehlt, hier ist die einzige nennenswerte Region in Europa in der Reis angebaut wird. Reisfelder soweit das Auge reicht und das im Land der Pizza und Pasta, wer hätte das gedacht. Besondere Reissorten, aber vor allem Risotto kommt aus Italien. Das westliche Ufer des Lago Maggiore zieht sich wie Kaugummi, man kommt nur mit 30/40 km/h voran, es reiht sich ein Ort an den anderen. Vorbei geht es auch an den prunkvollen Palästen, am Regina und Stresa und wie sie alle heißen mögen, das ist alles eine andere Preisklasse, aber mal vorbei fahren kann man ja. In der Schweiz setze ich mich wieder auf die Autobahn, ich habe ja meine Plakette. Über den San Bernardino  wäre ich gerne drüber gefahren, aber hier oben liegt noch zu viel Schnee und es ist saukalt, vor der Tunneleinfahrt mach ich noch eine Pause und knips ein Paar Bilder, nächstes Jahr fahr ich drüber, oder ich komm im Sommer nochmal her. Egal, jetzt geht es nach Hause. Auf der Autobahn dauert es nicht lang bis ich an der österreichischen Grenze bin, bei Bregenz schließt sich der Kreis. Am Abend komme ich erschöpft aber glücklich wieder zu Hause an.

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