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Ostsee 2020

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  • Beitrag veröffentlicht:11. Januar 2021
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Reise zur Mecklenburgischen Seenplatte und der Ostsee

Eigentlich wollten wir dieses Jahr mal wieder nach Spanien, ohne Wohnmobil, ganz nobel im Ferienhaus mit Pool und allen anderen Annehmlichkeiten die so ein Ferienhaus an der Costa Blanca bietet. Die Flüge und das Haus waren schon gebucht, die Vorfreude hatte schon Platz genommen in unseren Köpfen, …..aber dann kam alles gaaanz anders.          

Plötzlich stand alles auf Null. Stillstand, unser Leben wurde auf das Mindeste reduziert. Was ist passiert? welche Macht bringt die ganze Welt, die Bevölkerung der ganzen Welt in Bedrängnis. Das Virus, Herkunft unbekannt, taucht plötzlich auf, wird zu lange unterschätzt und hat dadurch die Chance das Leben auf der ganzen Welt zu beeinflussen. Covid 19 ist der medizinische Name, besonders am Anfang nur unter Corona bekannt. Die Virusinfektion wird durch das Coronavirus SARS-CoV-2 ausgelöst und kann tödlich sein. Eine wochenlange Ausgangssperre ist die Folge, Kontaktverbote, alle Veranstaltungen werden storniert. Auch der Himmel bleibt leer, alle Flüge werden storniert, es wird ruhig auf der Welt. Besonders Italien ist stark betroffen, aber auch Frankreich und Spanien. An einen Urlaub in einem dieser Länder ist nicht zu denken, zumal auch die Grenzen geschlossen werden und man nach einer Einreise in vierzehntägige Quarantäne müsste. Nach längerer Zeit finden wir uns mit dem Gedanken ab, dieses Jahr unseren Urlaub zuhause im Garten zu verbringen. Als nach ein paar Wochen die Zahlen der Neuinfektionen zurückgingen, wurden auch die Ausgangssperre und das Kontaktverbot langsam gelockert. Und irgendwann Anfang Mai, als niemand mehr damit rechnete wurde die Reisebeschränkung innerhalb Deutschlands aufgehoben. Urlaub in Deutschland, warum eigentlich nicht? Schon seit langer Zeit wollte ich mal an die Mecklenburgische Seenplatte und an die Ostsee, wenn nicht jetzt, wann dann. Nach langem hin und her fing ich endlich damit an, im Internet Campingplätze zu suchen und musste feststellen, wir sind nicht die einzigen mit dieser Idee. Ein Großteil der Plätze war bereits ausgebucht, teilweise sogar  bis September, zumal auch wegen der Ansteckungsgefahr die Plätze nur bis zu maximal 60% belegt werden sollten. Telefonische Anfragen wurden nicht mehr angenommen, oft wurden Anfragen per E-Mail wegen der starken Nachfrage nicht mehr beantwortet. Wir hatten uns eine genaue Route festgelegt, ohne Buchung vor ab, war es nicht möglich einen Platz zu bekommen. Nach ca. 14 Tagen und sehr viel Kommunikation per E-Mail haben wir tatsächlich überall einen gebuchten Platz. Unsere Route: Waren an der Müritz in der Mecklenburgischen Seenplatte, Usedom, Rügen, Ostseebad Rerik, Travemünde und Lübeck. Am 9. Juni fuhren wir, nach einem Besuch in Niederbayern, mit unserem Oldtimer, einen mittlerweile 31 Jahre alten Mitsubishi L 300 mit Tischer Wohnmobilaufbau, liebevoll „Affenschaukel“ genannt, Richtung Ostdeutschland. Außer Dresden kannte ich bis jetzt nicht viel von unseren sogenannten neuen Bundesländern. Von Regensburg aus nahmen wir bei strömenden Regen die A93, die uns mitten durch den Bayrischen Wald führte, über Weiden in der Oberpfalz, Windischeschenbach und Marktredwitz. Wer in Bayern öfters den Verkehrsfunk hört, dem werden diese Orte sicher bekannt sein. Kurz vor Hof fuhr ich zum tanken von der Autobahn runter, auch eine kleine Pause war angesagt, so kurz vor der Thüringer Grenze gab es die letzte Leberkässemmel für die nächsten drei Wochen. Anschließend ging es auf die A9 Richtung Berlin. Nach ca. 500 Kilometer wurde es langsam Zeit um nach einen Übernachtungsplatz Ausschau zu halten. Wir fuhren auf einen Rastplatz und suchten nach Stellplätzen im näheren Umkreis. Wir befanden uns mittlerweile in Sachsen-Anhalt, etwa 50 Kilometer vor Dessau. Auf Google wurde ein Stellplatz an der Elbterrasse in Wörlitz angeboten, vorsichtshalber rufe ich an und frage nach einem freien Platz, „ja, wenn sie es noch bis 19 Uhr schaffen, dann können sie hier übernachten“ das klingt schon mal gut. Google Maps zeigte uns den Weg, wir fuhren bei Vockerode von der Autobahn ab, ein kleines verschlafenes Nest, in dem es scheint als wäre die Zeit stehengeblieben, hier kann man die DDR noch fühlen. Bevor wir den Ort verlassen erscheint auf der linken Seite ein riesiger imposanter Industriebau aus rot-braunem Ziegel. Es handelt sich um ein Braunkohle-Kraftwerk aus den 1930er Jahren. Nach dem zweiten Weltkrieg wurden die Kesselanlage und einige Großgeräte von den Russen demontiert und in die Sowjetunion verschickt. Während der Zeit der DDR wurde es wieder aufgebaut, 1994 kam dann die Stilllegung. Der Gegensatz kann nicht krasser sein, unmittelbar nach dem verschlafenen Ort mit seinem gigantischen Industriebau kommt der Wörlitzer Park. Ein Landschaftsgarten der heute zur „UNESCO-Welterbestätte-Dessau-Wörlitzer-Gartenteich“ gehört. Bevor wir das Hotel Elbterrasse Wörlitz mit dem dazu gehörenden Stellplatz erreichten, mussten wir eine scheinbar nicht endende, ca. drei Kilometer lange Straße mit sehr altem und sehr schlechtem Kopfsteinpflaster bewältigen. Der Stellplatz entpuppte sich als einfache Wiese ohne weiteren Service, dafür kann man kostenlos stehen bleiben und übernachten, wenn man im Restaurant etwas verköstigt, auch wenn es nur ein Kaffee ist wie uns der Wirt versichert. Man darf die Toiletten benutzen solange das Restaurant geöffnet hat. Als wir mit Mund und Nasenschutz das Lokal betreten werden wir lapidar darauf hingewiesen, dass wir das hier nicht brauchen. Da schaut man schon ein bisschen blöd, bei uns zuhause waren die Restaurants bis vor kurzem noch geschlossen und hier braucht man noch nicht mal eine Maske. Aha, mal schauen wie das weitergeht. Zu essen gab es Backfisch mit Bratkartoffeln, war sehr lecker und hat gleich unsere Fischwochen eingeleitet. Der Stellplatz war super idyllisch, wir waren die Einzigen auf einer Wiese direkt an der Elbe und abends beim letzten Bier vor dem Wagen kam tatsächlich ein Fuchs um die Ecke. Nach einem kräftigen Frühstück geht es am nächsten Morgen erstmal wieder zurück über das Kopfsteinpflaster. Dann wieder auf die Autobahn, an Berlin vorbei Richtung Waren an der Müritz.

Mecklenburger Seenplatte

Die rund 250 Kilometer hatten wir schnell bewältigt, so dass wir bereits um die Mittagszeit den Campingplatz Ecktannen erreichten. Wir checken kurz vor 13 Uhr ein, diesmal ordentlich, mit Abstand und Maske, als wir fertig sind ist es wenige Minuten nach 13 Uhr und uns wir gesagt, dass jetzt die Schranken wegen der Mittagsruhe geschlossen sind und wir erst nach 15 Uhr auf den Platz fahren können. Da wir uns im Urlaubsmodus befinden, hat uns das erstmal nicht belastet. Wir machten uns zu Fuß auf den Weg, um den CP zu erkunden und ein schönes Plätzchen zu suchen. Aber, schon bald mussten wir feststellen, dass der CP erstens ca. einen Kilometer lang ist und zweitens fast voll belegt. Also ging´s wieder zurück zum Fahrzeug, erneutes Platz suchen, diesmal mit den Fahrrädern, langsam lies der Urlaubsmodus etwas nach. Kurz und gut, die Platzsuche erwies sich als äußerst schwierig, der CP ist sehr groß und man wird alleine auf Platzsuche geschickt, hier wäre wirklich Hilfe von der Platzleitung von Nöten. Die Leute einfach so über den riesigen Platz latschen zu lassen, ist kein guter Service. Im Übrigen, von maximal 60 Prozent Belegung hat man hier nichts gemerkt, der Platz war bumsvoll. Bis wir einen passenden Platz gefunden und uns eingerichtet haben, war es fast 17 Uhr und die Stimmung fast im Keller. Abendessen gab es in der Waldschänke, ca. 800 Meter vom CP entfernt, gehört zum CP und liegt sehr schön im Wald und direkt am See. Am nächsten Tag machten wir uns zu Fuß auf den Weg zu der Ortschaft Waren. Fast bis zum Ort führt ein schattiger Weg entlang des Sees und vorbei an großen und alten Villen. Mein erster Gedanke war, wer wird wohl zu DDR-Zeiten hier gewohnt haben, vermutlich doch nur privilegierte Leute die es sich wie auch immer verdient haben. Ich vertiefe mich nicht zu sehr in den Gedanken, denn schon bald erreichten wir den Ortsrand von Waren an der Müritz. Die Müritz ist übrigens laut Duden feminin, es heißt also die Müritz, vermutlich kommt das von der slawischen Bedeutung „kleines Meer“ also praktisch „die See“. Ein sehr netter Ort erwartete uns, es wurde und wird zwar viel gebaut, viele Ferienwohnungen und Hotels. Aber man hat hier sehr auf die Architektur geachtet, alles fügt sich gut zusammen und bildet einen kleinen lebendigen Hafenort, der es mit größeren in südlichen Ländern locker aufnehmen kann. Die Müritzsee ist mit 113 Quadratkilometern der größte See Deutschlands, der Bodensee ist natürlich größer, gehört aber nicht nur zu Deutschland sonder auch zur Schweiz und Österreich. Als erstes stolperten wir in Waren in die Fischräucherei, da kann man natürlich nicht vorbei gehen ohne ein leckeres Fischbrötchen zu probieren, dazu gibt es ein Störtebecker Bernstein Weizen.

Die Müritz ist nicht nur der größte See Deutschlands, sondern natürlich auch der größte See der Mecklenburgischen Seenplatte. Unvorstellbare 1117 Seen gibt es hier, die meisten sind mit Kanälen verbunden, was das ganze zum größten vernetzten Wassersportrevier Europas macht. Für den nächsten und letzten Tag an der Müritz hatten wir eine Schifffahrt geplant, eine 5 Seenreise.

Usedom

Am dritten Tag geht unsere Reise wieder weiter Richtung Usedom. Nur etwa 130 Kilometer sind es von Waren an der Müritz bis nach Zempin auf Usedom, die wir mit unserem Oldie auf der Landstraße gemütlich in 2 Stunden schafften. Wir staunten über die herrliche Landschaft mit blühenden Mohnfeldern, gelben Ginster und blauen Kornblumen. Vor der Peenebrücke in Jarmen mussten wir warten, der Verkehr über die Brücke wird mit Ampeln geregelt. Der Campingplatz „Am Dünengelände“ den wir uns ausgesucht und gebucht hatten, liegt genau zwischen Zinnowitz und Zempin. Der CP machte von Anfang an einen sehr guten Eindruck, der für uns reservierte Platz war parzelliert und hatte einen eigenen Wasseranschluss sowie einen TV-Anschluss welchen wir aber nicht benötigten. Die Sanitäranlagen waren großzügig, gut erhalten und sauber, Richtung Strand gab es eine Bar mit Biergarten, der Strand ist vom Platz aus direkt zugänglich. Alles wirklich sehr schön, leider hatte, vermutlich Corona bedingt, das Restaurant  „Spelunke“ nicht geöffnet. Trotzdem fühlten wir uns hier von Anfang an wohl. Noch am selben Abend ging´s mit dem Fahrrad nach Zinnowitz, das Wetter spielte noch nicht so richtig mit, trotzdem bewunderten wir das über 700 Jahre alte Ostseebad. Besonders überwältigte uns, die lange Seebrücke und vor allem, die vielen alten Villen mit ihrer besonderen Architektur. Auf Usedom sollte man unbedingt seine Fahrräder mitnehmen, es gibt gut ausgebaute Wege, die über die ganze Insel führen. Wir pendelten zwischen Zempin und Zinnowitz hin und her und genossen an den vielen Fischbuden die leckeren Fischbrötchen. Es wurde ein richtiges Ritual, am Nachmittag ein Fischbrötchen und ein Bier, am besten noch in den Dünen, mit Blick auf die Ostsee, was will man mehr. In den nächsten Tagen wurde es richtig heiß, so dass wir auch einen schönen Strandtag genießen konnten, mit baden in der Ostsee bei 17 Grad Wassertemperatur. Was mir sofort auffiel, die Ostsee ist nicht so salzig wie z.B. das Mittelmeer. Die Ostsee ist weder ein Salz noch ein Süßwassermeer, sondern ein Brackwassermeer, also ein Gemisch aus Fluss und Meerwasser, wobei das Meerwasser praktisch aus der Nordsee herüber schwappt. Naja, wir waren wenigstens mal drin.