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Ostsee 2020

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  • Beitrag veröffentlicht:11. Januar 2021
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Reise zur Mecklenburgischen Seenplatte und der Ostsee

Eigentlich wollten wir dieses Jahr mal wieder nach Spanien, ohne Wohnmobil, ganz nobel im Ferienhaus mit Pool und allen anderen Annehmlichkeiten die so ein Ferienhaus an der Costa Blanca bietet. Die Flüge und das Haus waren schon gebucht, die Vorfreude hatte schon Platz genommen in unseren Köpfen, …..aber dann kam alles gaaanz anders.          

Plötzlich stand alles auf Null. Stillstand, unser Leben wurde auf das Mindeste reduziert. Was ist passiert? welche Macht bringt die ganze Welt, die Bevölkerung der ganzen Welt in Bedrängnis. Das Virus, Herkunft unbekannt, taucht plötzlich auf, wird zu lange unterschätzt und hat dadurch die Chance das Leben auf der ganzen Welt zu beeinflussen. Covid 19 ist der medizinische Name, besonders am Anfang nur unter Corona bekannt. Die Virusinfektion wird durch das Coronavirus SARS-CoV-2 ausgelöst und kann tödlich sein. Eine wochenlange Ausgangssperre ist die Folge, Kontaktverbote, alle Veranstaltungen werden storniert. Auch der Himmel bleibt leer, alle Flüge werden storniert, es wird ruhig auf der Welt. Besonders Italien ist stark betroffen, aber auch Frankreich und Spanien. An einen Urlaub in einem dieser Länder ist nicht zu denken, zumal auch die Grenzen geschlossen werden und man nach einer Einreise in vierzehntägige Quarantäne müsste. Nach längerer Zeit finden wir uns mit dem Gedanken ab, dieses Jahr unseren Urlaub zuhause im Garten zu verbringen. Als nach ein paar Wochen die Zahlen der Neuinfektionen zurückgingen, wurden auch die Ausgangssperre und das Kontaktverbot langsam gelockert. Und irgendwann Anfang Mai, als niemand mehr damit rechnete wurde die Reisebeschränkung innerhalb Deutschlands aufgehoben. Urlaub in Deutschland, warum eigentlich nicht? Schon seit langer Zeit wollte ich mal an die Mecklenburgische Seenplatte und an die Ostsee, wenn nicht jetzt, wann dann. Nach langem hin und her fing ich endlich damit an, im Internet Campingplätze zu suchen und musste feststellen, wir sind nicht die einzigen mit dieser Idee. Ein Großteil der Plätze war bereits ausgebucht, teilweise sogar  bis September, zumal auch wegen der Ansteckungsgefahr die Plätze nur bis zu maximal 60% belegt werden sollten. Telefonische Anfragen wurden nicht mehr angenommen, oft wurden Anfragen per E-Mail wegen der starken Nachfrage nicht mehr beantwortet. Wir hatten uns eine genaue Route festgelegt, ohne Buchung vor ab, war es nicht möglich einen Platz zu bekommen. Nach ca. 14 Tagen und sehr viel Kommunikation per E-Mail haben wir tatsächlich überall einen gebuchten Platz. Unsere Route: Waren an der Müritz in der Mecklenburgischen Seenplatte, Usedom, Rügen, Ostseebad Rerik, Travemünde und Lübeck. Am 9. Juni fuhren wir, nach einem Besuch in Niederbayern, mit unserem Oldtimer, einen mittlerweile 31 Jahre alten Mitsubishi L 300 mit Tischer Wohnmobilaufbau, liebevoll „Affenschaukel“ genannt, Richtung Ostdeutschland. Außer Dresden kannte ich bis jetzt nicht viel von unseren sogenannten neuen Bundesländern. Von Regensburg aus nahmen wir bei strömenden Regen die A93, die uns mitten durch den Bayrischen Wald führte, über Weiden in der Oberpfalz, Windischeschenbach und Marktredwitz. Wer in Bayern öfters den Verkehrsfunk hört, dem werden diese Orte sicher bekannt sein. Kurz vor Hof fuhr ich zum tanken von der Autobahn runter, auch eine kleine Pause war angesagt, so kurz vor der Thüringer Grenze gab es die letzte Leberkässemmel für die nächsten drei Wochen. Anschließend ging es auf die A9 Richtung Berlin. Nach ca. 500 Kilometer wurde es langsam Zeit um nach einen Übernachtungsplatz Ausschau zu halten. Wir fuhren auf einen Rastplatz und suchten nach Stellplätzen im näheren Umkreis. Wir befanden uns mittlerweile in Sachsen-Anhalt, etwa 50 Kilometer vor Dessau. Auf Google wurde ein Stellplatz an der Elbterrasse in Wörlitz angeboten, vorsichtshalber rufe ich an und frage nach einem freien Platz, „ja, wenn sie es noch bis 19 Uhr schaffen, dann können sie hier übernachten“ das klingt schon mal gut. Google Maps zeigte uns den Weg, wir fuhren bei Vockerode von der Autobahn ab, ein kleines verschlafenes Nest, in dem es scheint als wäre die Zeit stehengeblieben, hier kann man die DDR noch fühlen. Bevor wir den Ort verlassen erscheint auf der linken Seite ein riesiger imposanter Industriebau aus rot-braunem Ziegel. Es handelt sich um ein Braunkohle-Kraftwerk aus den 1930er Jahren. Nach dem zweiten Weltkrieg wurden die Kesselanlage und einige Großgeräte von den Russen demontiert und in die Sowjetunion verschickt. Während der Zeit der DDR wurde es wieder aufgebaut, 1994 kam dann die Stilllegung. Der Gegensatz kann nicht krasser sein, unmittelbar nach dem verschlafenen Ort mit seinem gigantischen Industriebau kommt der Wörlitzer Park. Ein Landschaftsgarten der heute zur „UNESCO-Welterbestätte-Dessau-Wörlitzer-Gartenteich“ gehört. Bevor wir das Hotel Elbterrasse Wörlitz mit dem dazu gehörenden Stellplatz erreichten, mussten wir eine scheinbar nicht endende, ca. drei Kilometer lange Straße mit sehr altem und sehr schlechtem Kopfsteinpflaster bewältigen. Der Stellplatz entpuppte sich als einfache Wiese ohne weiteren Service, dafür kann man kostenlos stehen bleiben und übernachten, wenn man im Restaurant etwas verköstigt, auch wenn es nur ein Kaffee ist wie uns der Wirt versichert. Man darf die Toiletten benutzen solange das Restaurant geöffnet hat. Als wir mit Mund und Nasenschutz das Lokal betreten werden wir lapidar darauf hingewiesen, dass wir das hier nicht brauchen. Da schaut man schon ein bisschen blöd, bei uns zuhause waren die Restaurants bis vor kurzem noch geschlossen und hier braucht man noch nicht mal eine Maske. Aha, mal schauen wie das weitergeht. Zu essen gab es Backfisch mit Bratkartoffeln, war sehr lecker und hat gleich unsere Fischwochen eingeleitet. Der Stellplatz war super idyllisch, wir waren die Einzigen auf einer Wiese direkt an der Elbe und abends beim letzten Bier vor dem Wagen kam tatsächlich ein Fuchs um die Ecke. Nach einem kräftigen Frühstück geht es am nächsten Morgen erstmal wieder zurück über das Kopfsteinpflaster. Dann wieder auf die Autobahn, an Berlin vorbei Richtung Waren an der Müritz.

Mecklenburger Seenplatte

Die rund 250 Kilometer hatten wir schnell bewältigt, so dass wir bereits um die Mittagszeit den Campingplatz Ecktannen erreichten. Wir checken kurz vor 13 Uhr ein, diesmal ordentlich, mit Abstand und Maske, als wir fertig sind ist es wenige Minuten nach 13 Uhr und uns wir gesagt, dass jetzt die Schranken wegen der Mittagsruhe geschlossen sind und wir erst nach 15 Uhr auf den Platz fahren können. Da wir uns im Urlaubsmodus befinden, hat uns das erstmal nicht belastet. Wir machten uns zu Fuß auf den Weg, um den CP zu erkunden und ein schönes Plätzchen zu suchen. Aber, schon bald mussten wir feststellen, dass der CP erstens ca. einen Kilometer lang ist und zweitens fast voll belegt. Also ging´s wieder zurück zum Fahrzeug, erneutes Platz suchen, diesmal mit den Fahrrädern, langsam lies der Urlaubsmodus etwas nach. Kurz und gut, die Platzsuche erwies sich als äußerst schwierig, der CP ist sehr groß und man wird alleine auf Platzsuche geschickt, hier wäre wirklich Hilfe von der Platzleitung von Nöten. Die Leute einfach so über den riesigen Platz latschen zu lassen, ist kein guter Service. Im Übrigen, von maximal 60 Prozent Belegung hat man hier nichts gemerkt, der Platz war bumsvoll. Bis wir einen passenden Platz gefunden und uns eingerichtet haben, war es fast 17 Uhr und die Stimmung fast im Keller. Abendessen gab es in der Waldschänke, ca. 800 Meter vom CP entfernt, gehört zum CP und liegt sehr schön im Wald und direkt am See. Am nächsten Tag machten wir uns zu Fuß auf den Weg zu der Ortschaft Waren. Fast bis zum Ort führt ein schattiger Weg entlang des Sees und vorbei an großen und alten Villen. Mein erster Gedanke war, wer wird wohl zu DDR-Zeiten hier gewohnt haben, vermutlich doch nur privilegierte Leute die es sich wie auch immer verdient haben. Ich vertiefe mich nicht zu sehr in den Gedanken, denn schon bald erreichten wir den Ortsrand von Waren an der Müritz. Die Müritz ist übrigens laut Duden feminin, es heißt also die Müritz, vermutlich kommt das von der slawischen Bedeutung „kleines Meer“ also praktisch „die See“. Ein sehr netter Ort erwartete uns, es wurde und wird zwar viel gebaut, viele Ferienwohnungen und Hotels. Aber man hat hier sehr auf die Architektur geachtet, alles fügt sich gut zusammen und bildet einen kleinen lebendigen Hafenort, der es mit größeren in südlichen Ländern locker aufnehmen kann. Die Müritzsee ist mit 113 Quadratkilometern der größte See Deutschlands, der Bodensee ist natürlich größer, gehört aber nicht nur zu Deutschland sonder auch zur Schweiz und Österreich. Als erstes stolperten wir in Waren in die Fischräucherei, da kann man natürlich nicht vorbei gehen ohne ein leckeres Fischbrötchen zu probieren, dazu gibt es ein Störtebecker Bernstein Weizen.

Die Müritz ist nicht nur der größte See Deutschlands, sondern natürlich auch der größte See der Mecklenburgischen Seenplatte. Unvorstellbare 1117 Seen gibt es hier, die meisten sind mit Kanälen verbunden, was das ganze zum größten vernetzten Wassersportrevier Europas macht. Für den nächsten und letzten Tag an der Müritz hatten wir eine Schifffahrt geplant, eine 5 Seenreise.

Usedom

Am dritten Tag geht unsere Reise wieder weiter Richtung Usedom. Nur etwa 130 Kilometer sind es von Waren an der Müritz bis nach Zempin auf Usedom, die wir mit unserem Oldie auf der Landstraße gemütlich in 2 Stunden schafften. Wir staunten über die herrliche Landschaft mit blühenden Mohnfeldern, gelben Ginster und blauen Kornblumen. Vor der Peenebrücke in Jarmen mussten wir warten, der Verkehr über die Brücke wird mit Ampeln geregelt. Der Campingplatz „Am Dünengelände“ den wir uns ausgesucht und gebucht hatten, liegt genau zwischen Zinnowitz und Zempin. Der CP machte von Anfang an einen sehr guten Eindruck, der für uns reservierte Platz war parzelliert und hatte einen eigenen Wasseranschluss sowie einen TV-Anschluss welchen wir aber nicht benötigten. Die Sanitäranlagen waren großzügig, gut erhalten und sauber, Richtung Strand gab es eine Bar mit Biergarten, der Strand ist vom Platz aus direkt zugänglich. Alles wirklich sehr schön, leider hatte, vermutlich Corona bedingt, das Restaurant  „Spelunke“ nicht geöffnet. Trotzdem fühlten wir uns hier von Anfang an wohl. Noch am selben Abend ging´s mit dem Fahrrad nach Zinnowitz, das Wetter spielte noch nicht so richtig mit, trotzdem bewunderten wir das über 700 Jahre alte Ostseebad. Besonders überwältigte uns, die lange Seebrücke und vor allem, die vielen alten Villen mit ihrer besonderen Architektur. Auf Usedom sollte man unbedingt seine Fahrräder mitnehmen, es gibt gut ausgebaute Wege, die über die ganze Insel führen. Wir pendelten zwischen Zempin und Zinnowitz hin und her und genossen an den vielen Fischbuden die leckeren Fischbrötchen. Es wurde ein richtiges Ritual, am Nachmittag ein Fischbrötchen und ein Bier, am besten noch in den Dünen, mit Blick auf die Ostsee, was will man mehr. In den nächsten Tagen wurde es richtig heiß, so dass wir auch einen schönen Strandtag genießen konnten, mit baden in der Ostsee bei 17 Grad Wassertemperatur. Was mir sofort auffiel, die Ostsee ist nicht so salzig wie z.B. das Mittelmeer. Die Ostsee ist weder ein Salz noch ein Süßwassermeer, sondern ein Brackwassermeer, also ein Gemisch aus Fluss und Meerwasser, wobei das Meerwasser praktisch aus der Nordsee herüber schwappt. Naja, wir waren wenigstens mal drin.

Rügen

Nach drei Tagen ging unsere Reise wieder weiter, nächster Stopp, Rügen. Na, das war ja wirklich ein Katzensprung, nur ca. 65 Kilometer Luftlinie ist Rügen von Usedom entfernt. Über den Landweg natürlich etwas weiter. Bei Stralsund geht es über die Rügendammbrücke auf die Insel, erste Eindrücke, klare Sicht, viele Segelboote und vor uns die relativ flach wirkende Insel. Am frühen Nachmittag erreichten wir unsere neue Bleibe. Der Campingplatz „Dat Stranddörp“ ist uns im Internet gleich positiv aufgefallen, er liegt im Südosten der Insel auf der Halbinsel Mönchgut, ein großer Platz in guter Lage, vom langen Sandstrand nur durch eine Straße getrennt. Die Stellplätze sind parzelliert und riesengroß. Nach einem ersten Strandspaziergang, suchten wir in der näheren Umgebung nach einem Gasthaus oder Restaurant in dem wir den Tag ausklingen lassen wollten. So einfach ist dass aber in Coronazeiten nicht, das Strandhus Mönchgut, das direkt gegenüber vom Campingplatz liegt, ist gut besucht, schließt aber um 18 Uhr seine Pforten. Bei einem kleinen Spaziergang entdecken wir noch den „Gasthof Zum Walfisch“ und das „Mönchguter Fischbüdchen“. Im Gasthof Zum Walfisch war für diesen Abend leider keine Reservierung mehr möglich, also gab´s wieder Fischbrötchen im Fischbüdchen, auch sehr lecker. Anschließend noch ein Schwarzbier im Strandhus, ganz klassisch im Strandkorb mit Blick auf den Strand. Den Abend verbrachten wir am Wagen bzw. im Wagen, denn die Nächte sind im Juni an der Ostsee immer noch sehr kühl.

Am nächsten Tag haben wir einen Ausflug zu den Kreidefelsen geplant. Mit dem Wohnmobil fuhren wir an der Ostseite der Insel Richtung Norden. Vorbei an den Ostseebädern Sellin, Binz und Prora, hoch bis zum Großparkplatz und Wohnmobilstellplatz Hagen. Von dort gibt es einen wunderschönen Wanderweg zu dem größten Kreidefelsen der Küste, dem Königsstuhl. Zirka eine Stunde wandert man durch einen zauberhaften unberührten Märchenwald, mit riesigen alten Buchen, einem verwunschenen See und blubbernden Tümpeln, wenn plötzlich Rumpelstilzchen hinter einem Baum hervor gesprungen wäre, hätte es mich nicht gewundert. Es geht ständig bergab bis zu den Aussichtspunkten und dem Nationalparkzentrum Königsstuhl. Die Aussicht auf die Kreidefelsen hat uns ehrlich gesagt nicht so beeindruckt, man muss lange anstehen bis man einen kurzen Blick auf einen der Felsen werfen kann. Beim nächsten Mal würden wir versuchen, bei einer Bootfahrt die Felsen vom Wasser aus zu besichtigen. Ein kleiner Imbiss im Gasthaus rundet den Ausflug ab, bis wir mit dem Bus wieder zurück dem Ausgangspunkt fahren.

Wieder zurück auf dem CP, sattelten wir unsere Räder und fuhren nach Middelhagen. Das Fischerdorf Middelhagen liegt im Zentrum der Halbinsel Mönchgut, hier kann man ein kleines Dorf besichtigen, das im Jahr 1250 erstmal urkundlich erwähnt wurde. Wir besichtigen die alte Kirche St. Katharina, das alte Schulgebäude war leider geschlossen. Allein die Kirche ist aber sehenswert, 1455 aus Feld und Backsteinen errichtet, mit einem hölzernen Turm. Es gibt einen prächtigen Altar sowie eine Grüneberg-Orgel auf der auch Albert Schweitzer gespielt haben soll. Anschließend genossen wir die gute Küche im Gasthof „Zur Linde“ der ältesten Gaststätte Rügens, bei einem hervorragenden Bier aus der hauseigenen Brauerei.

Den dritten Tag auf Rügen widmeten wir dem wohl bekanntesten Ostseebad überhaupt, wir fuhren nach Sellin. Sellin hat mit 394 Metern nicht nur die Längste Seebrücke von Rügen, sondern auch eine der schönsten. So alt ist sie übrigens noch gar nicht, geplant 1901 entstand im Jahr 1906 eine über 500 Meter lange Seebrücke. Die lange Brücke wurde bis 1941 insgesamt zweimal von Packeis zerstört und schließlich nicht mehr aufgebaut. Das Brückenhaus war in den 50iger, 60iger und 70iger Jahren ein beliebtes Tanzlokal, leider wurde die Bausubstanz vernachlässigt, so dass der ganze Brückenkopf samt Aufbau 1978 abgerissen werden musste. Erst 1992 begann der Wiederaufbau nach alten Plänen und Vorlagen, die offizielle Eröffnung des neuen Brückenbaus fand am 2.4. 1998 statt. Das Besondere, da der Ort an einer ca. 30 Meter hohen Steilküste liegt, gibt es nicht nur eine eindrucksvolle breite Treppe, sondern auch einen Lift.

Rerik Ostseecamp Seeblick

Nach drei Tagen machten wir uns wieder auf den Weg Richtung Festland. Von Stralsund aus fuhren wir kreuz und quer auf kleinen Landstraßen. Vorbei an Feldern, kleinen Ortschaften und immer wieder durch dichte, unendlich wirkende Wälder. Ganz Mecklenburg Vorpommern scheint ein einziger Naturpark zu sein. Rostock lassen wir links bzw. rechts liegen, unser Ziel ist das Ostseecamp Seeblick. Das „Ostseecamp Seeblick“ liegt wunderschön direkt an einer kleinen Steilküste zwischen den Ostseebädern Kühlungsborn und Rerik. Es verfügt über hervorragende Sanitärgebäude mit einem Spa/Wellnessbereich, der natürlich in Coronazeiten gesperrt war. Es gibt einen eigenen Strand eine Bar und ein italienisch geführtes Restaurant. Viele weitere Annehmlichkeiten machen das Ostseecamp zu einem richtigen kleinen Ferienparadies, wir haben Glück, die Sonne scheint, ja es ist sogar richtig heiß, wir fühlten uns wie in Italien oder Spanien.

An einem der Tage, machten wir einen Tagesausflug nach Bad Doberan. Das Moorheilbad Bad Doberan liegt im Landkreis von Rostock und ist nur wenige Kilometer vom Ostseecamp entfernt. Besonders sehenswert in der mittelalterlichen Stadt, ist das Doberaner Münster. Die ehemalige Klosterkirche des Ordens der Zisterzienser, wurde im 12. Jahrhundert erbaut und befindet sich in einem sehr guten Zustand. Gleich daneben befindet sich die Anlage des ebenfalls gut erhaltenen Zisterzienserklosters. Das Klostergelände erstreckt sich über zwei Quadratkilometer und beinhaltet unter anderem einen Landschaftpark, der als Englischer Garten angelegt wurde und von Bachläufen und Teichen durchzogen ist. Neben noch vielen anderen Sehenswürdigkeiten in Bad Doberan, ist besonders die Bäderbahn Molli eine Attraktion. Die Schmalspurbahn, ursprünglich aus dem Jahre 1886, verbindet Bad Doberan mit den Ostseebädern Heiligendamm und Kühlungsborn. Wir leisteten uns den Spaß und fuhren mit der Molli nach Heiligendamm. Heiligendamm ist das älteste deutsche Seebad an der Ostsee, besonders bekannt geworden durch den G8 Gipfel 2007. Vom Bahnhof aus drehten wir eine kleine Runde zu Fuß Richtung Seebrücke und wieder zurück. Die alten Gebäude an der Seepromenade sind teilweise noch in unrenoviertem Zustand oder werden gerade renoviert, nur das schicke Hotel, in dem damals der G8 Gipfel tagte sticht aus allem heraus. Alles macht einen überwachten Eindruck irgendwie fühlen wir uns hier nicht wohl. Danach geht es mit der Molli wieder zurück nach Bad Doberan.

Da es uns in dem Ostseecamp Rerik sehr gut gefiel, haben wir versucht, unseren Aufenthalt um einen Tag zu verlängern. Das war natürlich nur ein frommer Wunsch, unser Platz war ab dem nächsten Tag schon wieder vergeben und es war auch kein anderer mehr frei. Also machten wir uns wie geplant wieder auf den Weg, nächster Halt sollte Travemünde sein.

Travemünde

Kurz vor Lübeck überqueren wir die Landesgrenze Mecklenburg-Vorpommern/Schleswig-Holstein, damit haben wir auch die ehemalige Innerdeutsche Grenze überschritten. Wir befinden uns jetzt also wieder in der alten BRD und das merkt man sehr krass, der Unterschied könnte nicht größer sein. Die Autobahnen sind schlagartig wieder bumsvoll, viel mehr LKWs sind unterwegs, in den Ortschaften reihen sich ein Supermarkt und eine Imbissbude an die andere. Und, bitte nicht falsch verstehen, man sieht wieder Einwohner mit Migrationshintergrund, Frauen mit Kopftüchern und Menschen mit anderer Hautfarbe. Das ist etwas was uns in den östlichen Bundesländern besonders aufgefallen ist, im Vergleich zum ehemaligen Westen, sieht man dort so gut wie keine Ausländer, hier und da gibt es ein italienisch oder manchmal auch ein griechisch geführtes Restaurant, das war´s dann aber schon.

Zieh deine Schuhe aus, du bist am Meer! Wenn du den feinen Strandsand spürst, wirfst du den Alltag einfach über Bord und lässt ihn hinter dem weiten Horizont verschwinden – Willkommen in deinem Seebad Travemünde!“

So wirbt die Stadt Travemünde auf ihrer sehr gut gemachten, ansprechenden und informativen Internetseite:  www.travemuende-tourismus.de Dort wo die Trave in die Ostsee mündet liegt also der Ferienort Travemünde, der Name hat es schon verraten. Früher ein Fischerdorf, heute ein Stadtteil Lübecks. Um sich den Zugang zur Ostsee dauerhaft zu sichern, kaufte die Hansestadt Lübeck den Fischerort im Jahre 1329 einfach auf. Selbst mir ist der Ort vom Namen her bekannt, den Namen Travemünde hat jeder schon mal gehört, auch im tiefsten Bayern. Umso mehr freute ich mich darauf diesen Ort kennenzulernen. In Gedanken hatte ich Bilder von spanischen oder italienischen Orten im Kopf, mit langem Sandstrand und vielen Betonbunkern, die zur Unterbringung der Touristenmassen gebaut wurden.

Campingplätze sind tatsächlich etwas rar, bzw. in aller nächster Nähe, also etwa fußläufig in Strandnähe hatten wir keinen entdeckt. Deshalb hatten wir uns für den Campingplatz Ivendorf entschieden, er liegt etwa 3 Kilometer von Travemünde entfernt. Für alle die kein Fahrrad dabei haben oder lieber zu Fuß unterwegs sind, gibt es direkt vor dem Platz eine Bushaltestelle, von welcher man ohne umzusteigen bis Travemünde mit dem Bus durchfahren kann. Der familiengeführte Platz mit einer Größe von 6800m2 verfügt über ausreichende Sanitäranlagen, ein italienisch geführtes Restaurant sowie seit 2011 ein Natur-Schwimmbecken (war bei unserem Besuch Corona bedingt geschlossen) und freundliches hilfsbereites Personal. Der Platz lädt förmlich zu einem längeren Aufenthalt ein. Noch am selben Tag unserer Ankunft fuhren wir mit dem Bus nach Travemünde. Wir nahmen uns vor, mit dem Bus bis zur Endhaltestelle zu fahren und dann soweit wie möglich zurückzulaufen. Bereits bei der Hinfahrt im Bus fiehl uns die historische Altstadt, der alte Leuchtturm, der Strand und natürlich das nicht zu übersehende Hochhaus Maritim ins Auge. Wir fuhren bis zur Haltestelle „Strand“ welche auch die Endhaltestelle der Buslinie ist und am Bahnhof liegt. Es ist ein herrlicher Sommertag im Juni mit ca. 28 Grad und strahlendem Sonnenschein. Wir liefen geradewegs zum Strand, großes staunen war angesagt, das einzige Hochhaus das hier in die Höhe ragt ist das schon erwähnte Strandhotel Maritim. Das Maritim Hochhaus, eine Bausünde aus den 1970er Jahren, ist mit seinen 120 Metern nicht nur das höchste Gebäude Lübecks sondern auch Schleswig-Holsteins, sowie der gesamten deutschen Ostseeküste. Seit 2019 steht es auf der Liste der Kulturdenkmäler Lübecks. Im 36. Stockwerk des Gebäudes befindet sich ein 1974 in Betrieb genommenes Leuchtfeuer, welches eines der höchsten Leuchtfeuer Europas ist. Überwältigt sind wir von der Menge der Strandkörbe, bis zu 1700 Stück werden hier angeblich aufgestellt, sie sind in einzelne Abschnitte aufgeteilt, in jedem Abschnitt dominiert eine andere Farbe und ein anderer Hausherr bzw. Korbvermieter. Der Strand selber, unendlich lang und besonders bei der Nordermole unendlich breit, ein Wahnsinn. Entlang der Promenade keine Bettenburgen wie befürchtet, sondern schicke kleine Häuser zum Teil in Privatbesitz zum Teil als Ferienwohnung vermietet. Dazwischen Fischbuden, Eisdielen oder auch mal eine Strandbar, sehr schön. Gegen Abend spazierten wir durch die Altstadt, viele Häuser des ehemaligen Fischerdorfs sind gut erhalten und liebevoll renoviert. Vereinzelt wachsen wie von alleine dicke Stauden von Stockrosen aus den Ritzen des Pflasters. Als wir an einem Haus vorbei kamen an dem die Stockrosen besonders schön blühten, fragten wir den Mann der gerade den Garten vor seinem Haus pflegte, was wir denn falsch machen würden mit unseren Stockrosen, denn die würden nicht so schön blühen, „dann haben sie wohl zu gute Erde, Stockrosen mögen keine gute Erde, die wachsen am besten auf Schotter“ war die Antwort. Alles klar. Die Vorderreihe an der Trave, in der die Fischer früher ihre Boote praktisch direkt vor ihren Häusern anlegten, ist jetzt eine schicke Flaniermeile. Hier gibt es alles, was das Touristenherz begehrt, vor allem aber auch beste Restaurants mit Blick auf die Trave und den regen Schiffsverkehr. Während man beste Fischgerichte genießt, fahren draußen die großen Skandinavien-Fähren vorbei, oder auch nur ein kleiner Fischkutter.

Am nächsten Tag, die Sonne meint es wieder gut mit uns, legen wir einen reinen Strandtag ein. Wir wollen uns einen Strandkorb mieten, wenn wir schon mal hier sind, muss das ja wohl sein. Mit viel Glück ergatterten wir einen der letzten freien Strandkörbe. Das Problem ist, der Planet ballert gnadenlos vom Himmel und es ist windstill, was hier oben vermutlich nicht so oft vorkommt. Das ist doch super, wird jetzt vielleicht der eine oder andere denken, schon, nur die Funktion des Strandkorbs, nämlich sich vor Wind und Sand zu schützen ist damit völlig unnötig. In dem Strandkorb wurde es dermaßen heiß, dass ich es nicht lange darin aushielt und mich daneben in den Schatten des Korbes lag, da wäre ein Sonnenschirm die bessere Alternative gewesen. Außerdem hat man wenn man in so einem Ding liegt, so gut wie keine Aussicht, denn um einen herum stehen ja ca. 1700 andere Strandkörbe. Irgendwie kann ich mich nicht damit anfreunden, na ja einen Versuch war es wert. Trotzdem war ich von Travemünde sehr positiv überrascht, ein wirklich schöner Ort, der sich das Ursprüngliche bewahrt hat, aber trotzdem den Flair eines noblen Seebades versprüht

Lübeck

Der letzte Ort unserer Reise ist Lübeck, wenn man schon mal hier oben ist, muss man die Stadt einfach besichtigen. Obwohl das Zentrum nur ca. 20 Kilometer von Travemünde entfernt ist und man es bestimmt mit Bus oder Bahn hätte erreichen können, machten wir unser Womo wieder reisefertig und wechselten den Standort. Wir fuhren den Campingplatz Schönböcken an, den wir wie alle Plätze dieser Reise online gebucht hatten. Es erwartete uns ein einfacher aber gut geführter, sauberer Platz, der alles bietet was den Aufenthalt angenehm macht. Wir wurden freundlich empfangen und auf die geltenden Corona-Regeln hingewiesen. Wieder sehr praktisch, schräg gegenüber vom Campingplatz liegt eine Bushaltestelle, von welcher man ohne umzusteigen bis zum Zentrum fahren kann. Wir nutzten noch am selben Tag das Angebot. Wir stiegen am Holstentor aus, sicher ist es jedem bekannt, prangt es doch in jedem Süßwarenregal, auf den Verpackungen des Lübecker Marzipans. Es wurde 1478 vollendet und diente die Stadt abzuschirmen, heute ist der Backsteinbau das Wahrzeichen der Marzipanstadt. Die Altstadt von Lübeck liegt auf einer Insel der Trave, ist also von Wasser umgeben, wodurch es auch einen regen Schifffahrtsverkehr gibt. Da es bereits Nachmittag war und wir es als unsere Pflicht ansahen in dieser Stadt eine Marzipantorte zu verdrücken, ging’s als erstes in das nächste Kaffee. Es ist schon erstaunlich, was in den Kaffees und Shops der beiden großen Marzipanhersteller so alles angeboten wird, da kommt man schon in Versuchung. Nachdem staunen und dem genießen einer ziemlich süßen Marzipantorte, machten wir uns erst mal auf den Weg, um die viel beschriebenen Gänge und Höfe zu finden. Mitte des 16. Jahrhunderts, als es auf der Altstadtinsel innerhalb der Mauern zu eng wurde, brach man kleine Gänge in die Vorderhäuser und baute Hütten und kleine Häuser in die Hinterhöfe. Die so entstandenen neuen versteckten Wohnviertel wurden Gangviertel genannt und hauptsächlich von Tagelöhnern oder Beschäftigten des Gewerbes das im Straßenhaus ausgeübt wurde bewohnt. Die Durchbrüche zu den Gängen mussten mindestens so breit sein, dass ein Sarg durch passte. Die Gänge und Plätze mit ihren alten kleinen Häuschen sind heute natürlich meist mit viel Liebe zum Detail hergerichtet und begehrte Wohnobjekte. Am nächsten Tag, es schien wieder die Sonne mit voller Kraft, machten wir uns erneut auf den Weg, um die Altstadt Lübecks zu erkunden. Natürlich gibt es in Lübeck vieles zu besichtigen und zu bestaunen, Historische Gebäude, das Rathaus, Kirchen, usw. das kann man nicht alles aufzählen und auch nicht in zwei Tagen besichtigen. Da es aber zudem ein sehr heißer Tag war beschlossen wir Lübeck vom Schiff aus zu besichtigen, besonders an heißen Tagen kann ich das nur empfehlen. Für den abendlichen Ausklang suchten wir eine alte Wirtschaft mit gutem Bierausschank und fanden mit dem „Brauberger zu Lübeck“ das passende Lokal. Eigenes Brauhaus mit hervorragendem Bier und gutbürgerliche Küche, was will man mehr.

Am nächsten Tag traten wir die Rückreise an, fast 1000 Kilometer in einem Stück mit unserer guten alten Affenschaukel. Natürlich schön langsam, wenn nötig könnten wir ja übernachten. Die Route lautete: Lübeck – Hamburg – Hannover – Kassel – Fulda – Würzburg – Nürnberg – München. Da ich aber die Stecke Kassel – Fulda – Würzburg – Nürnberg als schrecklich in Erinnerung hatte und habe, bin ich ab Göttingen teilweise über die Landstraße bis nach Erfurt gefahren. Zwischendurch haben wir hervorragend zu Abend gegessen in dem Restaurant „Mühlenhof Bosse“  in Dachwig in der Nähe von Erfurt. Und sind dann stressfrei über freie und wenig befahrene Autobahnen durch den wunderschönen Thüringer Wald nach Hause gerauscht.

Euer Robby

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