Starkbier

Starkbier

Starkbierzeit in München

Die Starkbierzeit, die fünfte Jahreszeit in Bayern! Am 19. März ist Josefitag,  dann geht er wieder los, der nächste Wahnsinn. Beziehungsweise ginge er wieder los, wenn nicht wegen Corona alles gestrichen wäre. Früher, also ganz früher, nicht nur vor Corona, sondern so vor ca. 30 Jahren war ich mindestens einmal im Jahr beim Starkbier. Wir hatten immer eine riesen Gaudi, im Löwenbräukeller wurde immer der legendäre Wettbewerb „Stoalupfa“ (Steine lupfen/heben)  durchgeführt, bei dem sich die stärksten Männer Münchens ihre Rücken ruinierten. Es traten geile Bands auf, wie zum Beispiel „Die Jetzendorfer Hinterhofmusikanten“, die, je länger der Abend dauerte und je höher der Alkoholspiegel (auch bei den Musikern) war, ein Rockkonzert vom feinsten ablieferten.

Außerdem gab es früher noch die Mathäser Bierstadt. Die war sowieso der absolute Hammer, es gab nicht nur eine Einkaufspassage, und ein Kino mit der größten Leinwand Deutschlands. Insgesamt gab es 16 unterschiedliche Lokale, mit Sitzplätzen für 5000 Gäste. Es gab einen kleinen und einen großen Festsaal, die Schwemme, das Gewölbe, die Schänke, die Arkaden, die Bierhalle und unzählige Stuben.  Legendär war der Weißbierkeller. Der öffnete morgens um 3:00 Uhr!! da standen dann schon die ersten Gäste wartend vor der Tür. Ein meist bunt gemischtes Völkchen, das sich hier den Rest gab, oder Lust hatte auf ein paar frische Weißwürste oder ein saures Lüngerl. Im Jahr 1998 wurde die Mathäser Bierstadt wegen baulicher Mängel abgerissen. Die Mathäser Bierstadt hatte einige Superlative zu bieten. Wer Interesse daran hat, dem empfehle ich den Beitrag auf Wikipedia.

Der Salvatorkeller war schon immer der Vater aller Starkbierkeller, er hatte ein besonderes Flair. Er war und ist eigentlich mit den anderen Bierkellern nicht zu vergleichen, dort geht richtig die Luzie ab. Der alte Salvatorkeller, bevor er im November 1999 abbrannte, war ein schönes altes Gemäuer mit mehreren verschiedenen Ecken und Nischen. Hier war die Stimmung wie auf der Wiesn nur noch wilder, weil die Leute noch besoffener waren. Ich kann mich noch erinnern, dass es schwierig war zum bieseln zu gehen, weil meistens vor dem Klo eine Ansammlung von vorwiegend Männern stand, die einfach nicht mehr wussten, wo sie jetzt eigentlich genau sind.  

In München gibt es ja gleich mehrere sogenannte Hochburgen des Starkbiers. Neben dem bekanntesten, dem Salvator von Paulaner, das im Salvatorkeller auf dem Nockherberg ausgeschenkt wird, schenkt  jede größere Brauerei auf ihren Bierkellern den jeweiligen „ator“ aus. Von den Mönchen in ihren Klöstern während der Fastenzeit als kräftige Nahrungsergänzung erfunden und sogar vom Papst für gut befunden, wurde das Starkbier jedes Jahr am Josefitag zu Ehren des hl. Josef gebraut. Der eigentliche Vater aller ator Biere ist natürlich der Salvator. Bereits im Jahr 1751 erhielten die  Paulaner Mönche die offizielle Erlaubnis, zum Namenstag  ihres „Lieben Vaters“ ein Bier zu brauen. Nach einem überlieferten Rezept des Klosters  Benediktbeuren wurde ein malzreicher Doppeltrunk gebraut und St.Vater genannt, wovon sich später der Name Salvator ableitete.

Erst Ende des 19. Jahrhunderts als Paulaner längst nicht mehr den Mönchen gehörte und seit mehr als 40 Jahren erfolgreich in einer extra dafür errichteten Salvatorhalle das Starkbier ausgeschenkt wurde, kamen auch die anderen Münchner Brauereien auf die Idee einen Salvator auf den Markt zu bringen. Als nach einem langen Streit das kaiserliche Patentamt 1896 den Namen Salvator in ihre Zeichenrolle eintrug, war dieser Name geschützt. 

Dies war die Geburtsstunde der „ator“ Biere. Von da an braute jede Münchner Brauerei immer zum Josefitag ihr eigenes Süppchen, die einen nannten es  Animator, die anderen Triumphator, die nächsten Maximator, oder Optimator usw. Eigentlich war und bin ich kein besonderer Freund dieses starken Gesöffs mit einem Alkoholgehalt von ca. 7,5 Prozent, das eine ist zu herb und bitter, das andere zu süß und malzig, außerdem und das haben alle gemein, nach maximal 3 Maß hast du so einen Rausch in der Birne, das es schon fast gemeingefährlich ist. In den Hochburgen wird das Starkbier natürlich nur in Maßkrügen ausgeschenkt, im Salvatorkeller sogar in Steinkrügen, so genannten Keferlohern. 

Der Keferloher Maßkrug hat seinen geschichtlichen Ursprung in dem kleinen Ort Keferloh nähe München. Der Keramikkrug zeichnet sich durch seine isolierende Fähigkeit aus, das Bier bleibt also länger kühl, hat aber auch den Nachteil, dass man nicht erkennen kann ob er voll ist oder nicht. 

Dieses Jahr fällt also die Starbierzeit zum zweiten Mal aus und ich überlegte ob sie mir wirklich abgeht. 

Im Jahr 2018 war ich mit meiner Frau nach einer ca. 20jährigen Pause wieder einmal  im Salvatorkeller auf dem Nockherberg. „Diesmal packen wir es wieder und schauen uns den neuen Saal an“, hatten wir uns vorgenommen. Dass man Eintritt bezahlen muss wusste ich noch, 50 Pfennig waren es einmal, später eine Mark. Ja, ist schon lange her, trotzdem haben wir etwas geschluckt, als wir um 14 Uhr vor der Kasse standen und die Dame im Kassenhäuschen 25 Euro und 80 Cent von uns verlangte. Man bekommt dafür zwei Gutscheine für je eine Maß Starkbier zu je 10,90 Euro (Preis 2018), der Eintritt kostet 2 Euro pro Person, aha das geht ja schon gut los. Ohne den Kauf eines Gutscheins für eine Maß Bier kommt man nicht rein! Wie sich später herausstellt, ist das auch egal, denn die alkoholfreien Getränke wie zum Beispiel ein Spezi  (1 Liter) kosten auch 10,90 Euro. Eine Maß Wasser „nur“  8 Euro, da kann man dann halt den Rest der Bedienung schenken. Der neue Saal, der auf mich eher den Eindruck einer Mehrzweckhalle macht,  ist zu diesem Zeitpunkt noch fast leer. Mehr als die Hälfte der Plätze sind reserviert, wir steuern einen der Tische an auf denen keines der großen Reservierungsschilder pappt. Wir bestellen zwei Maß Salvator, einen Schweinsbraten für 14,80 Euro und ein halbes Hähnchen mit Pommes für 15.- Euro, dafür müssen wir nochmal 29,80 Euro abdrücken, da die Bedienung immer gleich kassiert, legen wir noch was drauf und sind innerhalb von 20 Minuten fast 60 Euro los. Als sich gegen 16 Uhr die Halle langsam füllt, kommt ein Büroheini in Lederhosen auf uns zu und behauptet das wäre sein Tisch, er hätte ihn reserviert. Die Bedienung wird zur Aufklärung hinzugezogen und bittet uns nach kurzem nachfragen, ob wir wohl so nett währen und den Platz wechseln könnten. Okay, kein Problem, es sind ja noch ganze Tische frei. Amüsiert beobachten wir das Durcheinander der Reservierungen, es werden nochmal Reservierungszettel auf leere Tische gepappt, die dann später von den Bedienungen zum Teil wieder runter gerissen werden. Um 16 Uhr beginnt dann auch die Musik zu spielen. Wir leisten uns noch eine Maß, da der Durst nicht mehr so groß war, lies ich meine Maß eine Zeitlang stehen und siehe da, nachdem sich der Schaum gesetzt hatte war der Krug nur noch etwas mehr als zur Hälfte gefüllt, Ich lies nachschenken,  was auch kein Problem war. 

Aber ich glaub mir reicht‘s wieder für die nächsten 20 Jahre, dann bin ich 85, ob ich dann noch auf den Berg rauf komm, wer weiß.

Euer Robby

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