Viktualienmarkt München

Viktualienmarkt München

Der Münchner Viktualienmarkt

Links neben mir wurden die frischen niederbayrischen Eier in den Pappschachteln gestapelt, rechts die schlachtfrischen Hühner auf einem Tisch zum Verkauf ausgelegt. Die Morgensonne blinzelte gerade über die Hausdächer, es war 7 Uhr morgens, ich saß auf meinem kleinen Koffer und atmete das erste Mal in meinem Leben den frischen Morgenduft auf dem Münchner Viktualienmarkt ein. Es war Anfang der 1960er Jahre, ich kam gerade von meiner Oma aus Niederbayern. In den Sommerferien verbrachte ich dort zwei Wochen auf dem Bauernhof den mein Onkel bewirtschaftete, auch meine Tante sowie ihre drei Töchter lebten dort. Der Herr Viehbacher war ein Bauer aus einem Nachbardorf, er machte ein Geschäft daraus, nicht nur seine eigenen Produkte, sondern auch die der kleineren Höfe im Umkreis mit seinem kleinen Lieferwagen einzusammeln und zum Verkauf nach München zum Viktualienmarkt zu bringen. So wurde auch ich morgens um 5 Uhr eingesammelt und fuhr mit dem Herrn Viehbacher nach München, meine Mutter holte mich dann vom Markt ab. Dies sind meine ersten Erinnerungen an den Münchner Viktualienmarkt, dem geschäftigen Treiben am Morgen und dem süßlichen Duft frischer Lebensmittel.

Als der ursprüngliche Lebensmittel und Getreidemarkt auf dem Schrannenplatz, dem heutigen Marienplatz zu eng wurde, verfügte am 2. Mai 1807 König Max I. Joseph einen Teil des Marktes in das Gebiet zwischen Heilig-Geist-Kirche und der Frauenstraße zu verlegen. Um dem Markt mehr Platz zu geben, wurden dafür die Benefizhäuser von Heilig Geist abgerissen. In den folgenden Jahrzehnten wuchs der Markt ständig, so dass man im Jahr 1885 beschloss, auch das Heilig-Geist-Spital abzureißen. Erst dann hatte der Markt die heutige Größe von 22000 Quadratmetern erreicht. 1852 wurde an der Blumenstraße direkt an die alte Stadtmauer, angrenzend an den Viktualienmarkt die Schrannenhalle errichtet. Der langgestreckte Bau wurde als Getreidemarkt genutzt, daher auch der Name. Ein Getreidemarkt wurde volkstümlich „Schranne“ genannt. Die ursprüngliche Schrannenhalle hatte eine Länge von 430 Metern, bestand aus Gusseisenträgern und einer Oberlichte aus Glas. Die ursprünglich offenen Seitenteile wurden 1871 verglast. Von der Architektur war sie zumindest optisch mit den Pariser Markthallen oder mit dem Markt de la Paz in Madrid vergleichbar. Nur 80 Jahre später, im Jahr 1932 brannte die Schrannenhalle nieder. Übrig blieb nur ein Teil der schön verzierten Gusseisenträger, die abgebaut und in Moosach im ehemaligen Gaswerk der Stadtwerke München eingelagert wurden. Dort gerieten sie nach dem Krieg in Vergessenheit, 1978 entdeckte der Stadthistoriker und Architekt Volker Hütsch durch Zufall den architektonischen Schatz. Bereits 1980 beschloss die Stadt München den erhaltenen, ca. 110 Meter langen Teil, an derselben Stelle wieder aufzubauen. Erst 2005, also 27 Jahre später wurde die wieder aufgebaute Schrannenhalle eröffnet. Es gab viele Widersacher, zum einen hatten die Marktkaufleute Angst vor der eventuellen neuen Konkurrenz, zum anderen wollten die Anwohner nicht auf den Parkplatz verzichten der dem Aufbau zum Opfer viel. Seit der Neueröffnung stand die Schrannenhalle unter keinem guten Stern, mehrmals wurde das Konzept verändert. Heute betreibt eine italienische Feinkostkette die Schranne, so richtig glücklich glaube ich, ist damit aber keiner. Das Kopfgebäude der Schranne diente viele Jahre als so genannte Freibank, eine Fleischerei in der man billig Fleisch einkaufen konnte und auch noch ausgefallenes wie zu Beispiel Kutteln oder Euter bekam. Mit der Neueröffnung  der Schranne  wurde auch die Freibank umgebaut, in dem Gebäude wird nun von der Brauerei Hacker Pschorr eine Gaststätte im rustikalen Stil mit bayrischer Küche betrieben.

Schnell hat sich der Viktualienmarkt vom einfachen Bauernmarkt zum Delikatessenmarkt entwickelt. Täglich, außer an Sonn und Feiertags wird auf dem Viktualienmarkt das feinste von Feinsten in festen Bauten zum Kauf angeboten. Hier gibt es nichts was es nicht gibt, Obst und Gemüsestände, ein Honighäusl, ein Kartoffelstand auf dem es über das Jahr verteilt mehr als 100 verschiedene Sorten zu kaufen gibt, mehrere Fischhallen, eine Metzgerzeile mit sieben Metzgereien, einen Pferdemetzger, einen für Wildbret usw. Man kann gar nicht alles aufzählen, am besten selbst vorbei schauen, staunen und schlemmen. Die Metzgerzeile feiert übrigens bereits das 700. Jubiläum, die Metzger und Schlachter wurden bereits m 14. Jahrhundert vom heutigen Marienplatz verbannt. Wegen des Gestanks des Schlachtmülls verlagerte man sie an die erste Stadtmauer unterhalb des Peterbergls.

Auf so einem großen Markt kann man natürlich nicht nur einkaufen, zahlreiche gastronomische Betriebe sorgen für das leibliche Wohl, wenn der Hunger oder der Durst zu groß wird. Allen voran in den warmen Monaten der Biergarten, der das Herz des Marktes bildet, hier dürfen im wöchentlichen Wechsel alle Münchner Brauereien ihr Bier ausschenken.

Früher gab es am Markt auch einige Anlaufstellen für Frühaufsteher oder die, die morgens aus dem legendären „Heilig Geist Stüberl“ stolperten oder sonst woher kamen. Die genehmigten sich dann eine „Schmalznudel“ im Cafe Frischhut in dem es ab 5 Uhr morgens die frisch ausgebackene Ausgezogene, im Volksmund „Nackerde“ und frisch gebrühten Kaffee gab. Oder sie gingen auf ein paar frische Weißwürste und ein letztes Weißbier in die alte Gaststätte „Löwe am Markt“. Morgens über den noch leeren Markt zu schlendern, den Marktleuten zuzuschauen wie sie ihre Ware auslegen und das Gewusel der Anlieferer zu beobachten, das hat schon was. Anschließend ein Weißbier und ein paar frische Weißwürste, besser kann der neue Tag nicht beginnen, oder die Nacht enden.

Die Schmalznudel bzw. das Cafe Frischhut gibt es natürlich immer noch und ich kann nur jedem der es noch nicht kennt empfehlen es einmal aufzusuchen. In dem alten traditionellen Cafe gibt es die frischesten und besten Ausgezogenen und Krapfen der Stadt. Aber leider nicht mehr für hungrige Nachtschwärmer, es öffnet „erst“ um 9 Uhr.

Dann gibt es noch den traditionellen Tanz der Marktfrauen. Der findet jedes Jahr am Faschingsdienstag um 11 Uhr statt. Der Faschingsdienstag ist sowieso ein besonderes Kapitel auf dem Markt, an diesem Tag verwandelt sich der Platz in einen einzigen Faschingsball. An den Ständen wird alles ausgeschenkt was schwindlig macht, Bier, Sekt, Schnaps, aus riesigen Lautsprechern dröhnt Partymusik. Die Leute sind bis zur Unkenntlichkeit maskiert, vööööllig losgelööööst und ausgelassen. Hier trifft sich alles, von herrlich aufgedonnerten Herrendamen bis zum damischen Ritter. Es wird gefeiert bis zum umfallen, am schönsten ist es natürlich, wenn die Sonne scheint. Ich habe es aber auch schon mit dicken Schneeflocken erlebt und fühlte mich wie in Saalbach/Hinterglemm beim Apre Ski. Wer den Münchner Fasching erleben will, der wird hier auf seine Kosten kommen. Die Tradition „Tanz der Markfrauen“ ist vermutlich einfach aus einer Laune heraus entstanden. Die Marktfrauen, immer einen lockeren Spruch auf den Lippen, waren gut drauf und haben immer zum Faschingsende miteinander getanzt. Erst in den 1980er Jahren kam die Stadt auf die Idee den Tanz zu organisieren. Seitdem wird extra eine Bühne aufgebaut, ein Tanzlehrer engagiert und jede Marktfrau lässt sich eine Tracht im Sinne einer Marktfrau schneidern.   

Eine Besonderheit sei noch erwähnt, auf dem Viktualienmarkt gibt es zahlreiche Brunnen. Was nicht verwunderlich ist, denn so wie in der ganzen Stadt kreuzen auch unter dem Markt mehrere Stadtbäche ihren Weg. Früher waren sie für den Markt die natürliche Wasserquelle. Im Zuge der Kanalisierung und der Modernisierung wurden die Bäche überbaut, heute hat jeder der festen Stände eine eigene Strom und Wasser Versorgung. Auf sechs dieser Brunnen wurden bis heute Denkmäler ehemaliger Münchner Originale, Volksschauspieler und Sänger gestellt. So zum Beispiel ein Denkmal des weit über Bayern hinaus bekannten Karl Valentin, ebenfalls von seiner nicht minder bekannten Muse Liesl Karlstadt und dem aus Niederbayern stammenden Volkssänger Roider Jackl.

Hier eine kleine Auswahl sehenswerter und informativer Links einiger Händler:

 

Kartoffelstand: https://www.casparplautz.de/

Honighäusl: https://www.honighaeusel.de/

Fischladen und Lokal: https://www.fisch-witte.de/

Suppenküche: https://muenchner-suppenkueche.de/

Kaffeerösterei: https://www.kaffee-muenchen.de/

Viel Spaß beim nächsten Einkauf oder Bummel über den Münchner Viktualienmarkt!

 

Euer Robby

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